Der deutsche Edelkrebs – Astacus astacus
Der vom altgriechischen abgeleitete Name astacus („astakos = Krebs“) lässt schon die urtümliche und verwurzelte Geschichte des Edelkrebses in Mitteleuropa erahnen. Bis vor 150 Jahren waren diese majestätischen Tiere noch in fast jedem erdenklichen offenen Gewässer Deutschlands in hohen Zahlen zu finden. Edelkrebse wurden in manch' ärmlichen Familien nahezu täglich verzehrt und zählten zum Arme-Leut-Essen.
Nach einer Überschwemmung so hieß es, konnte man sprichwörtlich die Krebse von den Bäumen pflücken und man war froh, sie zu einem Stückpreis von 5 – 10 Pfennig zu verkaufen.
Der Edelkrebs ist mit einer maximalen Körperlänge von 20 cm und einem Maximalgewicht von 350 g der größte heimische Flusskrebs Europas.
Am Kopfstück sitzen 2 Fühlerpaare, welche zur Tast- und Geruchsorientierung angelegt sind.
Nahe den Stielaugen befinden sich 2 Postorbitalleisten, die zum Schutze der Augenpartie dienen. Der Edelkrebs besitzt ein großes Paar Scheren, welche zur Verteidigung und zum Festhalten der Beute dienen. Der Körper ist in der Regel dunkelbraun bis rotbraun gefärbt , es kommen jedoch auch blaue Tiere vor (Was aber nur temporär, in z.B hartem Wasser auftritt). Die Scherenunterseiten und -gelenke sind rot gefärbt. Die Krebse häuten sich in ihren ersten Lebensjahren recht häufig. Die Anzahl der Häutungen nimmt proportional zum Alter ab. Die Häutungsphase wird durch die steigenden Temperaturen im Frühjahr eingeleitet und endet mit dem Absinken der Wassertemperatur im Herbst.
(Paarungszeit!)
Genauso wie die Tiere im Sommer eine dauerhafte Temperatur über 15 °C benötigen, so brauchen sie im Winter eine Kälteperiode, die zum Reifen der Eier notwendig ist. Bei der eigentlichen Paarung heften die Männchen mit ihren Gonopoden kleine weißliche, etwa 1 bis 2 mm große, stabförmige Samenpakete an die Weibchen an. Diese sind in der Regel ventral zwischen den letzten Schreitbeinen zu finden. Die Anzahl der Eier schwankt zwischen 30 bis 450 Stück. Sie werden vom Weibchen ca. 25 – 27 Wochen ausgetragen. Nach ungefähr 3 Jahren sind die Jungkrebse dann selber geschlechtsreif.
Nach einer Häutung ziehen sich die Tiere auffällig stark zurück, kommen jedoch dann recht schnell wieder aus ihren Verstecken hervor. Entgegen der weitverbreiteten Meinung, astacus astacus bevorzuge steinigen Untergrund , konnte ich den bisweilen größten von mir entdeckten heimischen Bestand in einem extrem schlammigen Gewässer feststellen. Die Tiere gruben sich in der Uferböschung recht tiefe Wohnröhren, welche von außen kaum auszumachen waren. In der Dämmerung hielten sich die Krebse dann noch einige Stunden in Höhlennähe auf, bevor sie dann in tiefer Nacht auf Nahrungssuche gingen. Gefressen wird eigentlich alles. Präferiert wird jedoch Fischkost, die auch teils aktiv erbeutet wird. Laub und Holzreste, sowie Muscheln und Pflanzen werden ebenso gerne verzehrt.
Der Edelkrebs ist ein sehr nachtaktiver Krebs (Im Gegensatz zu Procambarus und Orconectes Arten). Die größten Fressfeinde des Edelkrebses sind jedoch ebenfalls nacht bzw. -dämmerungsaktiv. Besonders Aale können Bestände radikal dezimieren. Hechte scheinen Krebse nur dann in ihr Beuteschema aufzunehmen, wenn andere Beutetiere, wie z.B kleinere Friedfische nicht so häufig vorkommen. Aale wurden zudem auch schon erfolgreich gegen Orconectes und Procambarus Bestände eingesetzt.
Der größte Feind des Edelkrebses ist aber nach wie vor die Krebspest, welche Anfang des 20. Jhdts. bereits erheblichen Schaden an den heimischen Beständen angerichtet hat.
Die Krebspest
(Aphanomyces astaci) ist ein pilzartiger Erreger, der beim Eindringen in den Krebskörper das Gewebe und die Muskulatur zerstört und somit die Funktion der lebenswichtigen Organe zum Stillstand bringt. Der Krebs liegt dann lethargisch auf der Seite und 'wirft' zum Teil die Gliedmaßen ab. Anders als bei den nordamerikanischen Arten (Cambaridae und Pacifastaci) schließt das vom Edelkrebs produzierte Melanin den Erreger nicht ein, da es diesen nicht erkennt. Es kommt zum typischen Krankheitsverlauf. Da ein toter, an Krebspest verendeter Krebs, massig Sporen ausstreut, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Infektion anderer Edelkrebse quadratisch und ein Massensterben kann eintreten. Je dichter der Astacusbestand ist, desto wahrscheinlicher ist ein komplettes Zusammenbrechen der Population. Schnell fließende Gewässer könnten die Weiterverbreitung der Sporen behindern, da sich diese aktiv, mit 2 Geißeln behaftet und nach den Krebsen suchend, bewegen. Stark verkrautete Gewässer könnten ebenfalls behindernd sein, da die Sporen in diesem Falle viele Geißeln an die falschen Opfer 'verschießen' und daraufhin sehr viel schneller zugrunde gehen.
Das Auftreten der Krebspest ist in erster Linie auf das Aussetzen von nicht einheimischen nordamerikanischen, infizierten, Flusskrebsen zurückzuführen, die ab 1879 in Deutschland sogar absichtlich in krebsarme Gewässer ausgesetzt wurden. Obwohl man heute gänzlich wenig über die Durchseuchungsrate der nordamerikanischen Krebse in Deutschland weiß, darf man auf gar keinen Fall irgendwelche nicht - heimischen Krebse in Gartenteiche setzen oder diese gar direkt in offene Gewässer einbringen. Nordamerikanische Krebse, eingesetzt als Angelköder, stellen ebenso eine imense Gefahr dar. Es reichen sogar schon mit Sporen behaftete Gerätschaften aus, um die Krebspest auszulösen. Ein weiteres Massensterben der zum Teil erfolgreich rehabilitierten lokalen Edelkrebsbestände wäre verheerend.
In diesem Abschnitt möchte ich nun über diverse Freilandbeobachtungen berichten, welche ich an einem örtlichen Edelkrebsbestand durchführte...
Im Frühjahr, das heißt Anfang Mai, werden die Edelkrebse wieder deutlich aktiver und fangen an sich von ihrem alten, meist äußerst bealgtem, Panzer zu befreien. Die Weibchen gehen, trotz der noch anbehafteten Eier, aktiv auf Nahrungssuche. Die männlichen Tiere, insbesondere die stattlichen Exemplare, häuten sich in der Regel erst später. Die Sömmerlinge (d.h die entlassene Brut des letzten Jahres) werden schon binnen weniger Monate um ein Beträchtliches an Größe zunehmen. Anfang Juni schlüpfen die meisten Jungkrebse dann und die meisten, vor allem jüngeren Weibchen, häuten sich. In Sommernächten sind die Edelkrebse hochaktiv und leicht mit einer Taschenlampe vom Ufer aus beobachtbar. Anfang Herbst ist dann etwas Sonderbares zu beobachten: Deutlich mehr stattliche Männchen gehen in die Fangkörbe, Weibchen sind nur noch sehr selten zu fangen. Dies dürfte sich dadurch erklären, dass mit abnehmender Wassertemperatur die Paarungszeit begonnen hat und die Männchen ihre Chance wahrnehmen möchten, ein Weibchen zu begatten. Die bereits gepaarten Weibchen ziehen sich, um aufdringlichen Männchen zu entgehen, meist zurück. Gegen Ende Herbst nimmt dann die Zahl der gefangenen Krebse dann sprunghaft ab. Die Edelkrebse scheinen sich sogar absichtlich in tieferes Wasser zurück zu ziehen, Reusen die stromab aufgestellt waren, erzielten keinen einzigen Fang mehr. (Im konkreten Beispiel war stromaufwärts ein See gelegen)
Im Winter hocken die adulten Weibchen dann brütend in ihren Wohnhöhlen, ebenso die männlichen Tiere. 1 – 3 jährige Jungkrebse sind nach wie vor in direkter Ufernähe anzutreffen.
Aquarienhaltung :
In der Aquarienhaltung fanden Edelkrebse bis zum jetzigen Zeitpunkt keine sehr große Beachtung. Dies dürfte unter Anderem darauf zurückzuführen sein, dass die Krebse eine Kälteperiode benötigen, um sich erfolgreich fortzupflanzen und dass sie äußerst nachtaktiv leben. Wenn man sich aber einmal auf das Experiment der artgerechten Haltung einer Edelkrebsgruppe im Aquarium einlässt, wird man schnell von diesen majestätischen Tieren fasziniert sein. Ein angemessen großes, gut strukturiertes Aquarium ab 1,50 m Kantenlänge dürfte allerdings die Grundvorraussetzung sein!
Ich hoffe, mit diesem Brief konnte ich die meisten Infos abdecken. Falls Verbesserungsvorschläge bestehen bitte posten!!
Grüße!