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Indina

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Freitag, 27. August 2010, 10:07

Der Belo-Monte-Staudamm am Rio Xingu – ein vorprogrammiertes Desaster

Aufgrund des kurz vor Baubeginn stehenden Riesen-Staudammprojekts Belo Monte in Brasilien gab die Chefredaktion der Zeitschrift Amazonas gestern folgende Pressemeldung heraus:

Zitat

„Sollte man sich als Special-Interest-Zeitschrift darauf beschränken, Spaß und Informationen zu verbreiten oder darf es auch gern einmal etwas kritischer sein? Im vorliegenden Falle geplanten ökologischen Wahnsinns in Brasilien und nach vorsichtiger Prüfung der Fakten, möchte ich letzteres eindeutig bejahen. Als Aquarianer sollten wir nicht so tun, als ginge uns das alles nichts an.“

Hans-Georg Evers, Chefredakteur der AMAZONAS




Rio Xingu darf nicht sterben!
Ökologischer Wahnsinn gegen jede Vernunft: Mega-Staudammbau am Belo Monte - hunderte Arten bedroht!


Fische haben keine Lobby - die Auslöschung hunderter Arten (zahlreiche noch unerforscht), die endemisch nur im fast 2.000 km langen Rio Xingu vorkommen, ist geplante Sache. Brasiliens Regierung beschließt den Bau des drittgrößten Staudammes der Welt - mitten im ökologisch bedrohten Amazonas. Und das ist nur der Beginn einer Katastrophe von gigantischer Dimension, denn weitere Dämme sollen folgen.

Höchste Zeit also für uns Aquarianer, jetzt aktiv zu werden! Diverse an das Leben in den Stromschnellen des Xingu angepasste L-Welse - darunter VIPs mit Kultstatus (L46, L260, L333 und viele mehr) - rheophile Salmler, Buntbarsche und sämtliche noch unerforschte Arten der Stromschnellenbereiche und anderer Lebensräume sind akut vom Aussterben bedroht.

Das Exportverbot zum Schutz der Arten wird zur Farce, Brasiliens Regierung vernichtet jetzt in Eigenregie: Ein ganzer Fluss wird zerstückelt, große Teile trockengelegt. Ein Gebiet von der Größe Frankreichs mit reichhaltiger Biodiversität wird unwiederbringlich zerstört!

Rund 500 km² Regenwald und landwirtschaftliche Nutzflächen werden allein beim Bau der ersten beiden Dämme überflutet, und damit wird die Lebensgrundlage vieler traditioneller und indigener Gemeinschaften zerstört. Die geplante Infrastruktur bedeutet ein Desaster für dort existierende Tier- und Pflanzenarten.

Präsident Lula verhöhnt Protestler als verträumte Spinner (Rede in Altamira am 22.06.2010) und besteht auf dem Bau des Damms zwecks Industrialisierung der Region "um jeden Preis". Das Projekt wurde hastig durchgedrückt. Die 'green stamps' der begutachtenden Institutionen verdächtig schnell aufs Papier gedrückt.

Besonders absurd: Die Effektivität des Staudamms ist auch ökonomisch problematisch, die Trockenzeit reduziert die Stromproduktion für mehrere Monate im Jahr auf ein Minimum. Zur Kompensation ist der Bau weiterer Dämme in Planung. Selbst Finanzinvestoren scheuten die hohen Risiken des Projekts - es gab kaum Interessenten.

Doch der Protest wird lauter - auch prominente Protagonisten wie Sting, David Cameron und Sigourney Weaver finden deutliche Worte gegen Biotopzerstörung solch gigantischen Umfangs. Und fordern die Nutzung durchaus vorhandener Alternativen. So könnte Brasilien durch Optimierung der Energieeffizienz seinen Strombedarf um 40% reduzieren.


Hoch die Flossen, Aquarianer!

Es ist eine Minute vor Zwölf - wenn wir jetzt nicht handeln, ist es für hunderte Arten und die dort lebende Bevölkerung zu spät! Unterstützt die protestierenden Gruppen vor Ort, unterzeichnet Petitionen, informiert Euch im Netz, erhebt die Stimme, spendet!

Die Fische des Xingu haben uns lange erfreut - jetzt brauchen sie unsere Hilfe!

Mehr über die Hintergründe des Staudammprojekts in einem Beitrag des vor Ort lebenden Autors Janne Ekstrøm. Amazonas Heft 31 und auf http://www.amazonas-magazin.de

Redaktion Süßwasseraquaristik-Fachmagazin Amazonas
Den ausführlichen Artikel mit Links auch zu Spendenorganisationen findet Ihr hier: http://www.amazonas-magazin.de/AMAZONAS-…ont.1873.0.html

Ich halte einen deutlich vernehmbaren Protest gegen dieses Bauprojekt für unabdingbar!

Aquaristische Grüsse,
Indina

Welsman

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Freitag, 27. August 2010, 11:06

Hallo Indina,
ich verfolge es auch seid längerem, was in manchen Ländern abgeht, ist schon ein Warnsinn.
Mit freundlichen Grüßen
Peter


Andreas

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Freitag, 27. August 2010, 15:54

Hallo Indina,

ich fürchte es ist da leider schon zu spät - da von der dortigen Regierung schon beschlossen. Sieht man ja an Stuttgart 21, wie viel die Proteste da jetzt noch bringen...

Gibt leider viele so schä(n)dliche Bauvorhaben - nicht mal vor dem Himalaya wird noch Halt gemacht :(

Indina

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Freitag, 27. August 2010, 22:57

Ich verweise hier nochmal auf die Links zu seriösen Gruppen unter dem Artikel.

Des weiteren gibt es Online-Petitionen, und Vertreter der betroffenen indigenen Völker haben (u.a. auch) Facebook-Gruppen gegründet.
Ein paar Beispiele:

http://www.facebook.com/group.php?gid=301693678891&ref=ts
http://www.facebook.com/pages/Petition-c…08243343?ref=ts
http://www.facebook.com/group.php?gid=120143291343573&ref=ts

Bereits vor einigen Jahren wurde der Bau des Damms nach massiven Protesten erfolgreich verhindert. Jetzt ist es an der Zeit, die eigene Passivität mal beiseite zu lassen, und sich innerhalb der eigenen Möglichkeiten zu engagieren. Das oft genutzte Argument, wir hätten uns als westliche Industrienation mit Dreck am eigenen Stecken nicht einzumischen, zieht angesichts solch massiver Biotopzerstörung imo nicht mehr.

Gruppen wie

http://www.internationalrivers.org/
http://www.euinfrastructure.com/news/belo-monte-dam/
http://www.water-alternatives.org/

...ermöglichen z.T. auch das Unterzeichnen von Petitionen.

Zu spät zum Handeln ist es nie!

Beste Grüsse,
Indina

Indina

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Samstag, 4. September 2010, 10:38

Moin moin,

Hier ein 10-minütiger Film, der mit Hilfe von Google Earth-Animationen recht deutlich die Konsequenzen und Dimensionen des Bauprojekts zeigt:

http://news.mongabay.com/2010/0830-belo_…ogle_earth.html

Gruss, Indina

Kenoa

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Sonntag, 5. September 2010, 08:57

Hallo,
man kann an anderen Ländern nicht kritisieren, was man im eigenen Land nicht mal ansatzweise umgesetzt bekommt. Ich habe damit kein Problem, wer mag schon ohne Strom leben - ihr vielleicht?
Das Exportverbot der genannten L-Welse wurde nicht zum Schutz der Tiere ausgesprochen, vielmehr sollten naseweise "Wissenschaftler" die schneller als die eigenen Institute ihre Weisheiten in "Fachmagzinen" von sich gaben und bis heute als "Kenner" feiern lassen, bremsen.
Jeder Staat ist anerkannter Souverän seines Landes, oder rührt Brasilien etwa in unserer zutiefst unehrlichen vor CO 2 protzenden Energie- und Wirtschaft herum?
Typisch westliche Zeigefingermentalität.

MfG,
Kenoa
Suche Corydoras macropterus :heart:

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Indina

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Montag, 6. September 2010, 20:22

Hallo Kenoa,
hast Du den verlinkten Artikel samt seiner sehr detaillierten Infos über das Staudammprojekt gelesen?

Falls ja, sollte klar sein, dass es nicht um 'stromfreies Leben für Brasilianer' geht. Sondern um monumentale Natur- bzw. Biotopzerstörung und massive Eingriffe in die Integrität und das Leben tausender indigener Menschen, die am und vom Xingu und den anderen betroffenen Fluss-Systemen leben. Und um menschlich, ökologisch und ökonomisch verträgliche Alternativen.

Lies das ruhig mal. :)

Gruss, Indina

Krabbler

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Montag, 6. September 2010, 21:30

Hallo,

es ist sicherlich nicht einfach bei anderen etwas zu kritisieren, was man bereits selber falsch gemacht hat! Aber muss die Menschheit Fehler ständig wiederholen?
Auch ich möchte nicht ohne Strom leben! Aber Strom bzw. Wohlstand zu erlangen und dabei die Existenz anderer zu gefährden geht mir persönlich zu weit.

MfG
Martin
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delorentzi

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Mittwoch, 8. September 2010, 11:11

Hi,

ein Wunder, dass die dort überhaupt Wasserkraft in Erwägung ziehen und nicht wie die verantwortungslosen Energieriesen hier Atomkraftwerke bauen ...
Anderes Beispiel:
VW baut irgendwo ... den GOLF I ohne KAT weiter ... warum? Weils dort keine KAT Vorschriften gibt ... aus eigener Initiative tut doch kaum einer was für die Umwelt.

Dieser ewige Spruch ... an die eigene Nase packen ist abe recht nicht so falsch. Wer von denen, die sich hier aufregen hat denn sein eigenes Leben geändert?

Wir haben mit dem Thema Umwelt, Ernährung usw. vor einigen Jahren angefangen und es ist ein riesiges Thema. Das ist am Ende eine Lebensphilospophie. Man stellt sein ganzes Leben auf dem Kopf. Angefangen hats mit der Ernährung (Nahrungsmittel), dann auch irgendwann das Thema Stromlieferant, Energiebilanz im Haus usw.... Kosmetikartikel waren diesen Sommer dran .... es gibt soviele Dinge über die man sich früher keine Gedanken gemacht hat ... die Seife am Waschbecken ... da hat man sich früher nie Gedanken gemacht. Das dafür Tierversuche gemacht werden. usw. Oder WIE wird etwas hergestellt, wo... zu welchen Löhnen, zu welchen Bedingungen ... mal ein Strauss Blumen auf den Tisch .. und woher? Fair gehandelt?? Ohne Pestizide??

Grüße!
Tom
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Freitag, 30. September 2011, 10:31

Es ist zwar leise um das Thema geworden, aber es ist durchaus noch Bewegung in der Sache.

Ich möchte nicht als Aktivist agieren und zu irgendwas aufrufen, sondern informieren:

Spiegel Online Bericht: Richter stoppt Bau des Belo-Monte-Staudamms

Welsman

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11

Freitag, 30. September 2011, 12:55

Ist schon schlimm, was da passiert, dieser Baustopp wird nicht lange halten, leider
Mit freundlichen Grüßen
Peter


Andreas

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12

Freitag, 30. September 2011, 16:38

Danke für die Info, Hauke!

Ist ja langsam schlimmer als Stuttgart21...

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